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Artikel: Intimität: Eine Einführung in Das Mädchen mit dem Perlenohrring, Vermeers größtes Geheimnis

Intimität: Eine Einführung in Das Mädchen mit dem Perlenohrring, Vermeers größtes Geheimnis

Mädchen mit dem Perlenohrring" von Vermeer "Mädchen mit dem Perlenohrring" von Vermeer.



Sie schaut über ihre Schulter. Ihre Lippen sind leicht geöffnet. Sie fängt unseren Blick ein, und plötzlich fühlt es sich an, als hätten wir sie gerade unterbrochen. Jeder kennt dieses Gesicht. Es ist heute überall zu sehen. Auf Tragetaschen, Kaffeebechern und natürlich an den Wänden von Wohnungen in aller Welt.

Aber wer ist sie eigentlich? Johannes Vermeer malte das "Mädchen mit dem Perlenohrring" um 1665. Seitdem wurde sie zu einem absoluten Klassiker. Man nennt sie die Mona Lisa des Nordens. Doch trotz des Ruhms bleibt sie ein großes Rätsel. Über das Gemälde selbst wissen wir erstaunlich wenig. Der Künstler hinterließ keine Briefe. Keine Tagebücher. Kaum eine Spur überhaupt.

Heute tauchen wir in die Geschichte dieses Meisterwerks ein. Wir sehen uns an, wie es entstanden ist, wie es fast für immer verloren gegangen wäre und warum es uns fast vierhundert Jahre später noch immer fesselt.

Detail des Gemäldes Die Kupplerin, vermutlich ein Selbstporträt von Vermeer
Detail des Gemäldes 'Die Kupplerin', von dem vermutet wird, dass es ein Selbstporträt von Johannes Vermeer ist.



Der Mann hinter dem Pinsel: Wer war Johannes Vermeer?

Bevor wir über das Mädchen sprechen, müssen wir über den Mann reden, der sie gemalt hat. Johannes Vermeer verbrachte sein ganzes Leben in der Stadt Delft in den Niederlanden. Das 17. Jahrhundert war das Goldene Zeitalter der Niederlande. Handel boomte. Reichtum war allgegenwärtig. Kunst war sehr gefragt.

Vermeer war zu Lebzeiten kein Superstar. Er genoss zwar Respekt in seiner Heimatstadt, aber er malte sehr langsam. Im Jahr schaffte er nur zwei oder drei Gemälde. Heute sind uns nur etwa 34 Werke sicher als seine bekannt, an denen sich die Experten einig sind.

Er hatte eine große Familie zu versorgen. Zusammen mit seiner Frau Catharina bekam er 15 Kinder. Kein Wunder, dass das Geld knapp war. Als Vermeer mit 43 Jahren starb, war er pleite. Seine Frau musste seine Werke bei örtlichen Bäckern eintauschen, um das Familienbrot zu bezahlen. Über die nächsten zwei Jahrhunderte geriet er in der Kunstwelt komplett in Vergessenheit. Sein Name verschwand aus den Geschichtsbüchern. Andere Künstler unterschrieben sogar seine Bilder, um sie leichter verkaufen zu können.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Kritiker seine Genialität wieder. Sie nannten ihn die „Sphinx von Delft“, weil er so geheimnisvoll war. Sobald sie seine Werke genauer unter die Lupe nahmen, stellten sie fest, dass niemand mit Licht so umzugehen wusste wie Vermeer.


Kein Porträt: Das Geheimnis der Tronie

Hier kommt die größte Verwechslung rund um das „Mädchen mit dem Perlenohrring“. Die Leute fragen immer: „Wer ist das Modell?“ Wir gehen automatisch davon aus, es sei ein Porträt. Manche sagen, es sei Vermeers älteste Tochter Maria, andere vermuten eine Haushälterin.

Die Wahrheit ist viel einfacher. Es ist kein Porträt.

Auf dem niederländischen Kunstmarkt des 17. Jahrhunderts gab es eine spezielle Gattung namens „Tronie“. Das Wort bedeutet einfach „Gesicht“ oder „Visage“. Ein Tronie sollte keine bestimmte, echte Person zeigen. Stattdessen war es eine Charakterstudie. Künstler zeigten damit ihr Können. Sie wollten beweisen, dass sie extreme Gesichtsausdrücke, raffiniertes Licht oder exotische Kostüme malen konnten.

Wer eine Tronie kaufte, erwarb keine Nachbarschaftsperson. Er kaufte eine Stimmung. Ein interessantes Charakterbild für sein Arbeitszimmer.

Unser Mädchen trägt ein gelbes Kleid und einen blauen Turban. Turbane waren 1665 in den Niederlanden eher ungewöhnlich für Frauen. Das Outfit ist also völlig exotisch. Vermeer kleidete sein Modell in Studiorequisiten, um eine idealisierte, geheimnisvolle Figur zu schaffen. Die Vorlage könnte jemand aus seinem Umfeld gewesen sein, doch das Bild selbst entstand aus der Fantasie heraus.



Die große falsche Perle

Sprechen wir jetzt über den Star des Gemäldes: die Perle. Sie fängt das Licht perfekt ein, hängt schwer am Ohr und sorgt für den Ausgleich im Gesamtbild.

Es gibt da nur ein Problem. Es ist physisch unmöglich, dass das eine echte Perle ist.

Perlen dieser Größe gab es in der Natur schlicht nicht. Und wenn doch, dann gehörten sie zum Schmuck von Königen und waren unbezahlbar. Ein kämpfender Künstler aus Delft hatte garantiert keinen Zugang zu einer tränenförmigen Perle in Pflaumengröße.

Kunsthistoriker und Wissenschaftler untersuchten das Gemälde unter dem Mikroskop. Dabei fanden sie heraus: Der Ohrring ist pure Täuschung. Vermeer malte wahrscheinlich einen gläsernen Tropfen, der mit Lack wie eine Perle glänzte. Vielleicht war es auch eine hohle Zinnkugel.

Schau dir den Ohrring genau an. Vermeer malte nicht einmal einen Haken, der ihn am Ohr befestigt. Stattdessen setzte er nur ein paar meisterhafte weiße Pinselstriche. Oben links gibt es einen hellen Lichtpunkt, der das Fensterlicht einfängt, unten eine sanftere Reflexion, die das Licht des weißen Kragens aufnimmt. Unser Gehirn füllt den Rest aus. Ein geniales Zauberstück.



Eine Obsession für Blau: Der Preis des Ultramarins

Der blaue Turban ist einer der auffälligsten Teile des Bildes. Dieser blaue Farbton hat eine wilde Geschichte.

Vermeer benutzte das Pigment natürlicher Ultramarin. Im 17. Jahrhundert war es buchstäblich teurer als Gold. Es war nicht einfach so im Künstlerbedarf erhältlich. Echtes Ultramarin stammte nur aus einem einzigen Ort auf der Erde: den abgelegenen Minen von Badachschan im heutigen Afghanistan.

Die Arbeiter bauten den Lapislazuli aus den Bergen ab. Händler transportierten ihn dann auf dem Rücken von Eseln über tausende Kilometer. Er reiste durch Wüsten, Handelszentren und schließlich per Schiff nach Venedig und dann in die Niederlande. Dort zermahlen Künstler den Stein zu feinem Pulver und mischten es mit Öl.

Die meisten Künstler setzten Ultramarin sparsam ein. Nur für die Gewänder der Jungfrau Maria. Vermeer hingegen verwendete es ständig. Er nutzte es für Schatten, mischte es in weiße Tischdecken und hier setzte er es kräftig für einen völlig fiktiven Turban ein.

Diese Leidenschaft für das teure Pigment war ein Grund für Vermeers ständige Geldsorgen. Doch heute, betrachtet man das Bild, war diese Investition mehr als lohnenswert. Das Blau strahlt noch immer vom Bild.

 

Zusammengesetztes Bild des Mädchen mit dem Perlenohrring. © Sylvain Fleur. Die komplette Geschichte des „Girl in the Spotlight“-Projekts lesen Sie hier.



Der verlorene grüne Hintergrund

Wenn man das Bild heute betrachtet, steht das Mädchen vor einem unglaublich dunklen, fast schwarzen Hintergrund. Dieser starke Kontrast lässt sie dreidimensional wirken. Es fühlt sich modern an, fast wie ein Blitzfoto.

Doch so hatte Vermeer das ursprünglich nicht geplant. Die Wissenschaft erzählt eine andere Geschichte.

Forscher untersuchten die Leinwand mit Röntgenstrahlen und speziellen chemischen Scannern. Sie entdeckten, dass der Hintergrund einst ein dunkles, glänzendes Grün war. Vermeer malte zunächst eine schwarze Unterschicht und darüber eine transparente Glasur aus gelben und blauen Pigmenten.

Mit den Jahrhunderten bauten Licht und Alter die gelben und blauen Pigmente ab. Die grüne Glasur verblasste. Übrig blieb nur die schwarze Basis. Die Zeit veränderte also tatsächlich die Stimmung des Bildes. Uns gefällt der dunkle Hintergrund, aber es ist faszinierend zu wissen, dass das Bild früher ganz anders wirkte.

Das Jahrhundert-Schnäppchen: Wie sie fast verloren ging

Was geschah mit dem Gemälde, nachdem Vermeer gestorben war?

Es verschwand praktisch komplett. Rund zweihundert Jahre interessierte sich niemand dafür. Es wechselte in geheimen Nachlassverkäufen den Besitzer. Es wurde dreckig. Der Firnis verfärbte sich gelblich.

1881 tauchte das Gemälde bei einer Auktion in Den Haag auf. Es war in schlechtem Zustand. Die Leinwand rissig, das Bild kaum zu erkennen. Die meisten anwesenden Leute ignorierten es.

Doch zwei Kunsthistoriker, Victor de Stuers und Arnoldus Andries des Tombe, besuchten die Auktion. Sie schauten hinter den Schmutz und erkannten sofort die charakteristischen Pinselstriche. Für sie stand fest: Das ist ein verschollener Vermeer.

Die beiden trafen eine heimliche Absprache: Sie wollten nicht gegeneinander bieten, damit der Preis niedrig bleibt. Des Tombe hob seine Auktionskarte und ersteigerte das Bild für zwei Gulden plus 30 Cent Auktiongebühr.

In heutigem Geld entspricht das etwa 30 Dollar. Eines der besten Schnäppchen der Kunstgeschichte.


Johannes Vermeers Gemälde Mädchen mit dem Perlenohrring im Mauritshuis Museum. Foto: Lex van Lieshout



Ein dauerhaftes Zuhause: Das Mauritshuis

Des Tombe nahm das Gemälde mit nach Hause und ließ es reinigen. Das schöne Mädchen tauchte aus Jahrhunderten von Schmutz wieder auf. Er hing es jahrelang in seinem Haus auf. Da er keine Erben hatte, vermachte er seine gesamte Kunstsammlung beim Tod 1902 einem Museum in Den Haag.

Dieses Museum heißt Mauritshuis. Dort lebt das Gemälde bis heute.

Das Mauritshuis ist ein kleines, gemütliches Museum, ohne die Überwältigung eines Louvre. Es fühlt sich an wie ein herrschaftliches altes Haus. Solltest du mal in den Niederlanden sein, musst du sie dir unbedingt live anschauen. Sie hat dort ihren eigenen Raum und beherrscht ihn komplett. Mehr über ihr Zuhause gibt es direkt auf der offiziellen Seite des Mauritshuis Museums.



Die Restaurierung 1994: Ein genauer Blick

1994 entschied das Museum, das Gemälde erneut zu reinigen. Im 20. Jahrhundert hatten sich die alten Firnisse wieder vergilbt. Das Mädchen sah aus, als hätte es eine leichte Gelbsucht.

Konservatoren entfernten vorsichtig den alten Lack mit speziellen Lösungsmitteln. Millimeter für Millimeter. Mit jedem Stück verschwand die gelbliche Schicht und die ursprünglichen kühlen Farben kamen zurück. Der weiße Kragen wurde klarer, der blaue Turban strahlte auf einmal wieder.

Während der Reinigung fanden sie spannende Details: Einen winzigen weißen Farbfleck neben der Perle. Anfangs hielt man ihn für eine zweite Lichtreflexion. Unter dem Mikroskop stellte sich heraus, dass es ein losgelöstes Farbstück der Leinwand war, das bei einer früheren Restaurierung einfach verkehrt herum kleben geblieben war. Vorsichtig entfernte man es.

Außerdem entdeckten sie, dass Vermeer tatsächlich winzige, feine Wimpern gemalt hatte. Man hatte immer gedacht, sie hätte keine Wimpern, doch sie waren mit der Zeit verblasst. Wer tiefer in die hochauflösenden Details der Restaurierung einsteigen möchte und die Pinselstriche aus der Nähe sehen will, dem empfehlen wir dringend diese interaktive Analyse von Google Arts & Culture. Die Leinwandstruktur und das feine Rissnetz auf ihrem Gesicht sind beeindruckend.

Mädchen mit dem Perlenohrring: der Film
Mädchen mit dem Perlenohrring: der Film.



Kulturgut trifft Popkultur: Bücher, Filme und Memes

Lange Zeit interessierte sich vor allem die Kunstszene für das Gemälde. Dann kam die späte 90er-Jahre-Welle.

Eine Autorin namens Tracy Chevalier hatte ein Poster des Gemäldes in ihrem Zimmer hängen. Sie starrte es eines Tages an und fragte sich, welche Geschichte dahinterstecken könnte. Da die Geschichte keine Antworten bot, erfand sie eine. Sie schrieb einen historischen Roman mit dem Titel *Mädchen mit dem Perlenohrring*.

Das Buch erzählt von einem Dienstmädchen namens Griet und einer stillen Romanze mit dem Meistermaler. Es wurde ein riesiger Welterfolg.

Ein paar Jahre später setzte Hollywood das Buch als Film um. Scarlett Johansson spielte das Mädchen, Colin Firth den Vermeer. Der Film bekam Oscar-Nominierungen und machte das Bild zum Alltagskulturgut. Plötzlich kannte jeder die Figur.

Heute ist das Mädchen ein fester Bestandteil des Internets. Sie wird in Memes verwandelt, ziert Socken und wird in Streetart nachgebildet. Sie hat die Museumsmauern durchbrochen und ein universelles Symbol geworden.

"Mädchen mit dem Perlenohrring" von Vermeer: Detail der Lippen
"Mädchen mit dem Perlenohrring" von Vermeer: Lippendetail, plakat von Posterscape.


Warum wir sie noch lieben? Wegen der Nähe

Es gibt Millionen alter Gemälde auf der Welt. Warum wurde gerade dieses so berühmt? Warum schauen wir immer wieder auf sie?

Wir glauben, es liegt an der Intimität. Viele klassische Kunstwerke wirken fern. Könige auf Pferden, große Heiligenszenen oder steife Adelige mit Rüschenkragen. Man sieht sie an und fühlt die Jahrhunderte zwischen sich und dem Motiv.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring fühlt sich anders an. Es wirkt unmittelbar. Die Art, wie sie den Kopf dreht, vermittelt Bewegung. Sie hat uns gerade bemerkt. Ihr Mund ist geöffnet, als wollte sie sprechen. Sie durchbricht die vierte Wand der Kunst.

Vermeer verwischte die Kanten ihres Gesichts leicht. Der Übergang von Haut zum dunklen Hintergrund ist sanft. Dieser optische Trick lässt sie lebendig, atmend und präsent erscheinen. Wir stecken für immer in einem kurzen, flüchtigen Moment mit ihr.


Das Meisterwerk zu dir nach Hause holen

Wir sind der Meinung, großartige Kunst gehört nicht nur in Bücher. Sie sollte Teil unseres Alltags sein. Geschichte und Schönheit um uns herum verändern den Raum spürbar.

Vielleicht hast du nicht zwei Gulden und dreißig Cent parat, um das Original auf einer geheimen Auktion im 19. Jahrhundert zu ersteigern. Zum Glück brauchst du das auch nicht. Wir haben eine fantastische Auswahl an Plakaten zusammengestellt, die genau dieses Meisterwerk ehren.

Wenn du dieses ikonische Gesicht in deinen eigenen vier Wänden zeigen möchtest, bist du hier richtig. Wir bieten hochwertige Plakate, die die satten Blautöne und starken Kontraste von Vermeers Original einfangen. Verschiedene Größen und Formate findest du passend für dein Wohnzimmer, Büro oder Schlafzimmer.

Schau dir gerne unsere Girl with a Pearl Earring Poster-Kollektion hier bei Posterscape an. So einfach holst du ein Stück des niederländischen Goldenen Zeitalters in dein modernes Zuhause.

Das Rätsel um das Mädchen wird nie gelöst werden. Wir erfahren nie ihren Namen. Wir werden nie wissen, was sie dachte, als Vermeer sie malte. Und ehrlich gesagt, gefällt uns das so.

Das Unbekannte ist genau das, was uns immer wieder zurückkehren lässt.

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